Die Errichtung des Landgerichts

Nach Verkündung des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877 oblag es den Ländern, die gesetzlichen Grundlagen zur Durchführung der neuen Gerichtsorganisation zu schaffen. Preußen erließ zu diesem Zweck am 24. April 1878 das Ausführungsgesetz zum Gerichtsverfassungsgesetz (AG GVG), das mit dem GVG am 1. Oktober 1879 in Kraft trat (§ 112 AG GVG; s. pr. GS 1878 S. 230). 
Durch § 12 AG GVG wurden die bisherigen preußischen Gerichte aufgelöst. Gemäß § 12 Abs. 5 AG GVG verfielen bezüglich des Appellationsgerichtsbezirks Wiesbaden das Appellationsgericht, das Kreisgericht und die Amtsgerichte der Auflösung. In den §§ 37, 47 und 21 AG GVG wurde festgelegt, dass die neuen Landgerichte und Oberlandesgerichte sowie ihre Bezirke durch Gesetz, die Amtsgerichte und ihre Bezirke durch Verordnung bestimmt werden sollten. 

Das Gesetz, das die Landgerichte und Oberlandesgerichte errichtete, und deren Bezirk festlegte, war schon vorher, nämlich am 4. März 1878 erlassen worden (s. pr. GS S. 109). Nachdem Bestrebungen, Wiesbaden selbst wieder zum Sitz eines oberen Gerichts zu machen, gescheitert waren, wurden in Wiesbaden lediglich ein Landgericht und ein Amtsgericht errichtet. Der Sitz des zuständigen Oberlandesgerichts wurde nach Frankfurt am Main gelegt. 
Zusammen mit den Landgerichten Frankfurt am Main, Hechingen, Limburg und Neuwied gehörte das Landgericht Wiesbaden nach dem Gesetz vom 4. März 1878 (siehe Download-Box) zum Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt.

Die neuen preußischen Amtsgerichte wurden durch die Verordnung vom 26. Juli 1878, die ebenfalls mit dem GVG in Kraft trat, errichtet.


Die Eröffnung des Landgerichts Wiesbaden wurde am 1. Oktober 1879 mit einem Festakt begangen. Zu diesem Zweck versammelten sich am Vormittag die Räthe des Landgerichts und die Staatsanwälte, bekleidet mit der neuen Amtstracht, der Robe, im Sitzungssaal des früheren Appellationsgerichts in der Friedrichstraße. Dort hielt der Präsident, Herr Hopmann, eine "kraftvolle" Rede, mit welcher er das Landgericht für konstituiert erklärte (Wiesbadener Tagblatt v. 02.10.1879). Nach Mitteilung des Rheinischen Kuriers vom 2. Oktober 1879 machte "das Ganze einen erhebenden Eindruck".