Gedenktafel für den weiteren aufsichtführenden Richter am Amtsgericht Dr. Emil Lehmann/Außenstelle Höchst des Amtsgericht Frankfurt

Am 8.April 2020 wurde auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Erinnerung in Höchst an dem Gebäude der Außenstelle Höchst des Amtsgerichts Frankfurt am Main eine Gedenktafel für den 1942 in Theresienstadt umgekommenen weiteren aufsichtführenden Richter Dr. Emil Lehmann angebracht.

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Gedenktafel für den weiteren aufsichtführenden Richter am Amtsgericht Dr. Emil Lehmann/Außenstelle Höchst des Amtsgericht Frankfurt angebracht.

Nr. 06/2020

Die Gedenktafel ist in Frankfurt die erste, die dem Schicksal eines während des Nationalsozialismus entrechteten jüdischen Richters in Frankfurt gewidmet ist. Sie beschreibt den Lebensweg Dr. Emil Lehmanns, den die weitere aufsichtführende Richterin am Amtsgericht Katja Fambach anhand seiner Personalakten recherchiert und kurzbiografisch aufgearbeitet hat.

Der am 22. Januar 1872 in Frankfurt am Main geborene Dr. Emil Lehmann trat am 1. April 1908 seinen Richterdienst an dem damals selbständigen Amtsgericht Höchst an. 25 Jahre war er dort vor allem als Strafrichter gegen Jugendliche und Erwachsene sowie als Vollstreckungsleiter der dem Amtsgericht Höchst angegliederten Justizvollzugsanstalt tätig. Emil Lehmann hatte zuvor seinen beruflichen Werdegang als Referendar und Gerichtsassessor an zahlreichen hessischen Amts- und Landgerichten vollzogen. Als Jude geboren, praktizierte Emil Lehmann seinen Glauben nicht mehr. Emil Lehmann, ausgezeichneter Frontkämpfer im 1. Weltkrieg, gehörte keiner politischen Partei an, trat aber aktiv für die Weimarer Republik ein. Er war Mitglied im Reichsbanner und im republikanischen Richterbund. Im Frankfurter Stadtteil Höchst engagierte er sich im Bund für Volksbildung und für die Volksbücherei. Finanziell unterstützte er Kinder aus bescheidenen Verhältnisses.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Dr. Emil Lehmann am 1. April 1933 und damit auf den Tag genau 25 Jahre nach seinem Dienstantritt am damaligen Amtsgericht Höchst zunächst zwangsbeurlaubt. In der aufgeheizten und von gewalttätigen Übergriffen gegen nichtarische Richter und Staatsanwälte geprägten Stimmung an den Frankfurter Gerichten befolgte die hessische Justizverwaltung die seit der Machtergreifung Hitlers geltende Erlasslage und „entfernte“ systematisch alle jüdischen Richter aus dem Dienst. Dies betraf neben Dr. Emil Lehmann weitere 24 Richter und eine Richterin, die 1933 an den Frankfurter Gerichten tätig waren. Am 7. August 1933 wurde Dr. Emil Lehmann wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ mit sofortiger Wirkung aus dem Justizdienst entlassen. Während es dem Sohn Emil Lehmanns, Hans Lehmann, 1934 gelang, in die USA zu emigrieren, blieb Dr. Emil Lehmann in Deutschland.

Seiner Entlassung folgte der wirtschaftliche und soziale Abstieg. Dr. Emil Lehmann, der unter der Anschrift Am Mainberg 13 im Frankfurter Stadtteil Höchst gelebt hatte, wo ein Stolperstein heute an ihn erinnert, musste mehrfach umziehen. Seine Mittel wurden in den folgenden Jahren immer weiter gekürzt und auf einem „Sicherungskonto“ gesperrt. Vor seiner Deportation nach Theresienstadt musste Dr. Emil Lehmann einen „Heimeinkaufvertrag“ abschließen, der suggerieren sollte, dass er mit seinen Mitteln die Unterbringung bedürftiger Juden in Altenheimen finanzierte.

Am 15. September 1942 wurde Dr. Emil Lehmann mit weiteren 1.366 Juden, vielen über 65-Jährigen, Kriegsversehrten und Hochdekorierten des ersten Weltkriegs, aber auch 42 Kindern aus dem Verein Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge, nach Theresienstadt verschleppt.

Dort kam Emil Lehmann unter unbekannten Umständen am 14. Dezember 1942 um.

Die von dem Künstler Günter Manieweski gestaltete Gedenktafel, die sich neben dem Eingang am Gebäude der Außenstelle Höchst des Amtsgerichts Frankfurt am Main befindet, sollte am 01.April 2020 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in Anwesenheit der hessischen Justizministerin, Frau Kühne-Hörmann, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Veranstaltung musste wegen der Corona Krise abgesagt werden. Für Interessierte liegt in der Außenstelle des Amtsgerichts/Außenstelle Höchst ein Flyer bereit, der den Lebensweg Dr. Emil Lehmanns nachvollzieht.

„Mit dieser Gedenktafel hat das Amtsgericht Frankfurt am Main seinem ehemaligen Richter Dr. Emil Lehmann ein würdiges Denkmal gesetzt“ so Präsident Erich Fischer. „Wir verneigen uns vor einem aufrechten Demokraten und engagierten Richter, der durch das Gewaltregime des Nationalsozialismus entrechtet wurde.“

Gedenktafel für den weiteren aufsichtführenden Richter am Amtsgericht Dr. Emil Lehmann
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