Strafsache gegen den 21-jährigen irakischen Staatsangehörigen Ali B.

In der Strafsache gegen den 21-jährigen irakischen Staatsangehörigen Ali B. u.a.

wegen des Verdachts des Mordes u.a.

Aktenzeichen:
2 Ks 2234 Js 24094/18 (zu 1.a)
1 Kls 2231 Js 24935/18 (zu 1.b)
2 Kls 2230 Js 25370/18 (zu 1.c)
1 Kls 2231 Js 27368/18 (zu 2.)

1. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hat insgesamt drei Anklagen gegen den 21-jährigen irakischen Staatsangehörigen Ali B. vor dem Landgericht Wiesbaden erhoben. Die Zustellung der Anklagen an den Beschuldigten und seinen Verteidiger ist erfolgt.

a) Im Fall der getöteten Susanna F. legt die Staatsanwaltschaft dem Angeschuldigten folgenden Sachverhalt zur Last:

In den frühen Morgenstunden des 23.05.2018 soll der Angeschuldigte die zum Tatzeitpunkt 14-jährige Susanna gegen 01.00 Uhr in eine Feldgemarkung nahe der von ihm zu diesem Zeitpunkt bewohnten Asylunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim geführt, dort gegen ihren Willen berührt und Geschlechtsverkehr von ihr verlangt haben. Nachdem Susanna dies abgelehnt habe, soll der Angeschuldigte einen Ast genommen und Susanna hiermit entweder am Hals gewürgt oder ins Gesicht geschlagen haben, um sie gefügig zu machen. Aus Angst vor dem Angeschuldigten und vor weiteren Übergriffen soll Susanna sodann gegen ihren Willen den vom Angeschuldigten geforderten Geschlechtsverkehr geduldet haben.

Nachdem Susanna geäußert habe, zur Polizei gehen zu wollen, habe der Angeschuldigte zunächst mehrfach verbal versucht, sie von diesem Vorhaben abzubringen. Als Susanna gleichwohl bekräftigt habe, die Polizei zu informieren, habe der Angeschuldigte befürchtet, dass die Polizei Kenntnis von dem sexuellen Übergriff erlangen könnte, und deshalb beschlossen, Susanna zu töten. In Ausführung dieses Tatentschlusses habe er die vor ihm sitzende Susanna von hinten mehrere Minuten mit seinem Arm gewürgt, bis diese kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben habe und letztlich aufgrund der von dem Angeschuldigten vorgenommenen Strangulation verstorben sei. Zur Vertuschung der Tat habe der Angeschuldigte sodann mit Hilfe zumindest einer weiteren unbekannten Person ein ca. 35 cm tiefes, 1 Meter breites und ca. 1,80 Meter langes Erdloch ausgehoben. Er habe sodann Susannas Leichnam hineingelegt und mit Erde und Ästen bedeckt. Der Leichnam konnte erst am 06.06.2018 im Zuge umfangreicher polizeilicher Suchmaßnahmen in der Feldgemarkung in Wiesbaden-Erbenheim zwischen der B 455 und der A 66 in der Nähe der dortigen Bahngleise aufgefunden werden.

Aufgrund dieses Sachverhaltes hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen den Angeschuldigten Ali B. Anklage vor dem Schwurgericht des Landgerichts Wiesbaden wegen Vergewaltigung und Mordes erhoben. Als Mordmerkmale nimmt die Staatsanwaltschaft Heimtücke und die Absicht an, die Tötung zur Verdeckung einer Straftat, nämlich der zuvor begangenen Vergewaltigung, vorgenommen zu haben.

b) In einer gesonderten Anklage legt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden dem Angeschuldigten Ali B. in zwei Fällen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern zur Last.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeschuldigte am 27.04.2018 gegen 14:00 Uhr eine 11-jährige Geschädigte mittels wahrheitswidriger Angaben in sein Zimmer in der Asylunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim gelockt, dort eingeschlossen und begonnen haben soll, diese gegen ihren Willen zu berühren. Trotz mehrfacher Äußerungen nach Hause zu wollen, habe der Angeschuldigte die Geschädigte nicht gehen lassen. Vielmehr soll der Angeschuldigte die Geschädigte auf das Bett geworfen und unter Androhung von Schlägen den Geschlechtsverkehr gegen deren Willen erzwungen haben.

Im Mai 2018, entweder am 20.05.2018 oder 27.05.2018, habe sich die 11-jährige Geschädigte nachmittags auf einem Supermarkt-Gelände in der Nähe der Asylunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim aufgehalten. Diese soll dort zunächst auf eine weitere Person, den mit ihr befreundeten mindestens 14-jährigen afghanischen Staatsangehörigen Mansoor Q., ebenfalls ein Freund des Angeschuldigten Ali B., getroffen sein. Dieser soll die Geschädigte in die dort angrenzende Grünfläche gezogen und sie gegen ihren Willen im Intimbereich berührt haben. Die Geschädigte habe daraufhin zu schreien begonnen, worauf Mansoor Q. der Geschädigten u.a. die als Jacke getragene Bluse abgenommen und sich entfernt haben soll. Kurz darauf soll der Angeschuldigte Ali B. erschienen sein und der Geschädigten die Bluse zurückgegeben haben. Um eine Strafverfolgung für die Tat vom 27.04.2018 zu verhindern, habe der Angeschuldigte die Geschädigte aufgefordert zu sagen, dass sein aufgrund seines Alters noch strafunmündiger Bruder mit ihr den Geschlechtsverkehr ausgeübt habe. Sodann habe der Angeschuldigte wiederum begonnen, die Geschädigte gegen ihren Willen anzufassen, woraufhin diese weggelaufen sein soll. Nachdem die Geschädigte zu Boden gefallen sei und der Angeschuldigte sie eingeholt habe, soll er diese im Unterkörperbereich unter körperlichem Zwang entkleidet und sodann gegen ihren Willen wiederum den Geschlechtsverkehr ausgeführt haben. Hierbei soll Mansoor Q. anwesend gewesen sein und im Anschluss ebenfalls unter Zwang und gegen den Willen der Geschädigten mit dieser den Geschlechtsverkehr ausgeübt haben, wobei auch der Angeschuldigte Ali B. sich hierbei in Sichtweite aufgehalten habe.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen dieser Taten sowohl gegen Ali B. als auch gesondert gegen Mansoor Q. Anklage vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Wiesbaden erhoben.

c) In einer dritten Anklage legt die Staatsanwaltschaft dem Angeschuldigten Ali B. zur Last, ebenfalls am 27.04.2018 gegen 23:00 Uhr im Kurpark in Wiesbaden gemeinsam mit einer weiteren bislang nicht näher identifizierten Person einen männlichen Geschädigten unter Vorhalt eines Messers in ein Gebüsch gezogen, diesen dort mehrfach geschlagen und gewürgt und sodann Wertgegenstände, nämlich eine Uhr und eine Umhängetasche, in welcher sich u.a. eine Bankkarte und der Personalausweis des Geschädigten befunden haben, sowie ein Smartphone entwendet zu haben. Im Anschluss soll der Angeschuldigte dem Geschädigten auch noch die Hose ausgezogen haben. Diesem sei es allerdings sodann gelungen, den Angeschuldigten wegzutreten und zu flüchten. Der Geschädigte erlitt durch den Vorfall mehrere Verletzungen im Gesicht- und Halsbereich.

Gegen den Angeschuldigten Ali B. wurde aufgrund dieses Vorfalls von der Staatsanwaltschaft Anklage beim Landgericht Wiesbaden wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und wegen Nötigung erhoben.

2. Gegen den nach Auffassung der Staatsanwaltschaft mindestens 14-jährigen afghanischen Staatsangehörigen Mansoor Q. hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gesondert Anklage vor dem Landgericht Wiesbaden
erhoben.

Hierin legt die Staatsanwaltschaft dem Angeschuldigten Mansoor Q. neben dem oben genannten Vorfall vom 20. oder 27.05.2018 zur Last, die mit ihm befreundete 11jährige Geschädigte bereits an einem bislang nicht näher bestimmbaren Tag zwischen dem 30.04.2018 und 18.05.2018 gemeinsam mit dem aufgrund seines Alters noch strafunmündigen Bruder des Angeschuldigten Ali B. in einem Waldstück in Wiesbaden-Medenbach in zwei Fällen vergewaltigt zu haben. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen soll zunächst der strafunmündige Bruder des Angeschuldigten Ali B. die 11-jährige Geschädigte unter dem Vorwand, er regele den sexuellen Übergriff seines Bruders auf sie, in den Wald gelockt und als Gegenleistung den Geschlechtsverkehr mit ihr verlangt haben. Nachdem die Geschädigte dies abgelehnt habe, habe dieser die Geschädigte gewürgt und gedroht, sie umzubringen. Gleichzeitig sei der Angeschuldigte Mansoor Q. hinzugekommen und habe der Geschädigten Handy und Ohrringe weggenommen. Nachdem die Geschädigte angefangen habe zu schreien, soll der Angeschuldigte Mansoor Q. dieser mit der Hand den Mund zugehalten haben. Der Bruder des Angeschuldigten Ali B. habe die Geschädigte im Unterkörperbereich entkleidet und den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen ausgeführt, während der Angeschuldigte Mansoor Q. diese festgehalten habe. Im Anschluss habe dieser sodann den Geschlechtsverkehr gegen den Willen der Geschädigten ausgeführt, während der Bruder des Angeschuldigten Ali B. die Geschädigte festgehalten habe.

Am 07.06.2018 soll der Angeschuldigte Mansoor Q. der 11-jährigen Geschädigten und deren Schwester zudem gedroht haben, dass diese „genauso tot seien wie dieses Mädchen“, wenn sie im Fall der getöteten Susanna F. etwas sagen würden.

Wegen dieser Vorfälle hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen den Angeschuldigten Mansoor Q. Anklage wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern in zwei Fällen sowie wegen Bedrohung erhoben.

Das Landgericht Wiesbaden wird nunmehr zunächst über die Eröffnung der Hauptverfahren entscheiden.

Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Wolfram Simon
Vizepräsident des Landgerichts
Telefon: 0611 3261-4120
Fax: 0611 3261-409
E-Mail: pressestelle@lg-wiesbaden.justiz.hessen.de