Strafverfahren gegen Busfahrer nach schwerem Unfall am Wiesbadener Hauptbahnhof abgeschlossen

Nachdem der Einspruch gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts Wiesbaden vom 28.12.2020 zurückgenommen worden ist, ist das Strafverfahren gegen den inzwischen 67 Jahre alten ehemaligen Busfahrer der ESWE Verkehrsgesellschaft abgeschlossen. Gegen ihn wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten festgesetzt, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Zudem wurde ihm die Fahrerlaubnis entzogen und sein Führerschein eingezogen. Von der lebenslangen Sperrfrist für eine Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ausgenommen sind lediglich Personen- Kraftfahrzeuge und Krafträder. Damit ist ihm eine Tätigkeit als Busfahrer nicht mehr möglich.

Nach Abschluss des Strafverfahrens steht fest, dass durch das Fahrverhalten des Beschuldigten am 21.11.2019 letztendlich die fahrlässige Tötung eines am Bussteig A vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof wartenden Fahrgastes sowie die fahrlässige Körperverletzung von 25 anderen Personen verursacht wurde. Während der wartende Busgast noch am Unfalltage seinen schweren Verletzungen erlag, traten bei 25 Personen leichte bis mittelschwere körperliche und seelische Verletzungen ein. Es handelte sich bei ihnen teils um Busfahrgäste, teils um Insassen der involvierten PKW im Kaiser-Friedrich-Ring.

Auch nach Abschluss des Strafverfahrens sind nicht alle Details, die zu diesem schweren Unglück führten, sicher und lückenlos aufgeklärt, es ist aber davon auszugehen, dass der Busfahrer durch mehrere Handlungsalternativen den Unfall hätte vermeiden können. Es ist davon auszugehen, dass möglicherweise mehrere Kausalverläufe zu dem Unglücksereignis beitrugen. Dies kann aber nach dem Strafverfahren offenbleiben, denn letztlich akzeptiert der Beschuldigte die Bestrafung und räumt damit ein Fehlverhalten ein. Auch wenn zu Gunsten des Beschuldigten nicht ausgeschlossen werden kann, dass der vorherige Busfahrer bei dem Fahrerwechsel in der Bahnhofstraße bei Verlassen des Fahrzeuges das Getriebe des Busses auf D (Drive) statt N (Neutral) eingestellt hatte, wäre nach den technischen Feststellungen auch nach dem Überfahren der Haltelinie an der Ampel Bahnhofstraße/Kaiser-Friedrich-Ring noch Reaktionszeit für eine Bremsung durch den Beschuldigten gewesen. Dann hätte die Kollision mit den anderen Fahrzeugen und dem wartenden Fahrgast vermieden werden können. Warum letztendlich eine solche Bremsung nicht vorgenommen wurde, ist offengeblieben, und damit auch die Frage, ob Gaspedal und Bremspedal verwechselt worden sind. Auch sind keine technischen Mängel an den Bus festgestellt worden.

Das Gericht hat die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wie bei Ersttätern üblich zur Bewährung ausgesetzt, da dem Beschuldigten eine positive Sozialprognose gestellt werden kann. Dieser ist durch das Geschehen selbst nicht nur körperlich verletzt, sondern auch psychisch stark belastet worden.

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