Urteil im Fall Johanna Bohnacker: Landgericht verurteilt Angeklagten zu lebenslanger Freiheitsstrafe

Nr. 27/18

Im Strafverfahren wegen der Tötung eines im September 1999 getöteten Mädchens in Ranstadt hat das Schwurgericht des Landgerichts Gießen den Angeklagten des Mordes für schuldig befunden. Nach den Feststellungen der Kammer tötete der Angeklagte die achtjährige Johanna Bohnacker, indem er ihren Kopf 29-mal mit Klebeband umwickelte und hierdurch den Erstickungstod des Mädchens herbeiführte. Daneben erfolgte eine Verurteilung wegen tateinheitlich begangener versuchter sexueller Nötigung sowie wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornographischer Schriften.

Der Angeklagte hatte, nachdem sein Fingerabdruck auf dem bei der Tat verwendeten Klebeband identifiziert worden war, eingeräumt, das Mädchen mit Chloroform betäubt und sodann in seinem Kofferraum mitgenommen zu haben. Den wechselnden Einlassung des Angeklagten, wonach sich der Tod des Mädchens, aus seiner Sicht als Unfall dargestellt habe, ist die Kammer nicht gefolgt. Die Vorsitzende Richterin hat hierzu erläutert, die Hauptverhandlung habe erwiesen, dass Ersticken wegen des Einsatzes des Klebebandes die einzige denkbare Todesursache darstelle. Es sei auszuschließen, dass der Angeklagte beim Umwickeln die Möglichkeit des Erstickungstodes nicht erkannt und gebilligt habe. Aufgrund der Beweislage sei es entweder so gewesen, dass der Angeklagte Johannas Kopf mit Klebeband umwickelt habe, weil ihn dies bereits als solches sexuell erregte, oder – alternativ – nach Durchführung einer Vergewaltigung zur Verdeckung dieser Straftat. Die bei dem Angeklagten vorliegende pädophile Nebenströmung habe hierbei seine Schuldfähigkeit nicht beeinträchtigt.

Die Kammer hat gegen den Angeklagten lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt. In der Urteilsbegründung hob die Vorsitzende Richterin die kriminelle Intensität der Tat des Angeklagten hervor. Dieser habe die Tat nicht nur am hellen Tag in der Nähe eines belebten Fußballplatzes begangen, sondern sei bereits zuvor stundenlang auf der Suche nach einem Opfer mit seinem Auto umhergefahren. Auch die Art der Tatausführung im Zuge der Fesselung des Mädchens wiege schwer.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Landgericht Gießen, Az. 5 Ks – 499 Js 29680/17

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